Unechtes Geld

Über "unechtes Geld" spricht die Autorin Beate Krol in der SWR2-Wissen Sendung „Wer erschafft das Geld?“ Ihr Anliegen ist es, „Alternativen zur Bankenmacht“ aufzuzeigen. Leider verfängt sich die Autorin in den Fallstricken unklarer Begrifflichkeiten.

Was ist Geld und wer kann es erzeugen? Der Blick in die Lehrbücher ist für diese elementare Frage wenig aufschlussreich. So lässt sich auch Frau Krol durch die mangelnde Abgrenzung der Begriffe "Geld" und "Kredit" aufs Glatteis führen. „<link http: www.swr.de swr2 wissen geld-bankenmacht id="661224/did=12939880/nid=661224/1ff7u29/index.html">Ein paar Zahlen für einen Kredit in den Computer einer Bank getippt und gebucht reichen aus, schon ist mehr Geld in der Welt. 50 Euro, 1000 Euro, 100.000 Euro, 1 Million Euro – je nach Höhe des gewährten Kredits.“ Sie übersieht dabei jedoch, dass für den Kredit von 1 Millionen € eine Sicherheit hinterlegt werden muss. Sollte der Kreditnehmer bei der Tilgung scheitern, wechselt diese Sicherheit den Besitzer. Mit dieser Sicherheit hat die Bank die Einlage des Kreditgebers abgesichert. Ohne diesen hätte sie die Buchung gar nicht durchführen dürfen. Der Kredit wird nicht als Geld geschöpft, sonder vermittelt.

Vor allem aber differenziert Frau Krol nicht zwischen dem Kreditgeschäft und der Rolle des Notenbankgeldes. Dies ist bei dieser Thematik jedoch zwingend notwendig. Die von ihr zu recht aufgegriffene Problematik beschreibt unter der Überschrift „Saubere und schmutzige Kredite in einer Bilanz“, die gefährliche Vermischung riskanter und wenig riskanter Kreditgeschäfte. „Solange bei den Verlusten nur das Spekulationsgeld verloren ist, wäre es nicht schlimm. Doch die Banken schreiben „saubere Kredite“ und Spekulationsgeldkredite zusammen in ihre Bilanzen. Und damit gerät die Bank insgesamt in Schieflage.“ Der Begriff "Spekulationsgeld" steht dabei jedoch nicht für "aus dem Nichts geschöpftes Geld", sondern für das, vorhandene oder nicht vorhandene, Eigenkapital und für Einlagen, die von ihren Besitzern gar nicht für riskante Wetten deklariert wurden.

Für die Aufklärung dieser Praktiken ist es wenig hilfreich, so zu tun, als könnten Banken aus dem Nichts Geld schöpfen. Die Broker sind keine Alchimisten, sondern Zocker, die ihnen anvertraute Vermögen missbrauchen. Wenn die Wetten schief gehen, geht kein Geld im Sinne von Zentralbankgeld (ZBG) verloren. Vernichtet werden Ersparnisse von Anlegern und Vermögen von Bankbesitzern.

Falsch ist auch, dass die derzeitige Kreditklemme durch fehlendes Geld (im Sinne von ZBG) verursacht wird. Maßgeblich ist, dass immer größere Vermögen sehr kurzfristig angelegt oder ganz liquide gehalten werden. Dadurch verringert sich die Summe der für langfristige Ausleihungen zur Verfügung stehenden Mittel. Die Forderung der von ihr zitierten Monetative nach neuem Geld führt in die Irre, da sie Geld mit Kredit gleichsetzt und verwechselt. „<link http: www.swr.de swr2 wissen geld-bankenmacht id="661224/did=12939880/nid=661224/1ff7u29/index.html">Ohne neues Geld bricht also sehr schnell alles zusammen: die Wirtschaft, der Staat, die Gesellschaft.“ Die Gesellschaft braucht kein neues Geld, sondern ausreichend langfristige Anlagen und einen Anreiz, liquide Mittel langfristig auszuleihen.

Die Unterstellung der privaten „Geld-Schöpfung“ durch Banken ist falsch und letztlich nur im Sinne der Zocker, die die Verwirrung weiter nutzen, damit klare, wirkungsvolle Maßnahmen so lange wie möglich hinausgezögert werden. Um der Bankenmacht etwas entgegenstellen zu können, ist es sinnvoll, ihr Handeln präzise zu beschreiben. Die Vermischung von Geldfunktionen und Kreditgeschäften ist dabei nicht hilfreich.

Klaus Willemsen, 24.3.2014

Verwendete Quelle:
<link http: www.swr.de swr2 wissen geld-bankenmacht id="661224/did=12939880/nid=661224/1ff7u29/index.html">www.swr.de/swr2/wissen/geld-bankenmacht/-/id=661224/did=12939880/nid=661224/1ff7u29/index.html