Die Geschichte der Finanzkrise wird bei Quarks & Co. recht kurzfristig abgehandelt: am Beispiel Griechenlands, der Pleite der Lehman Brothers und den weltweiten Folgen. Beschrieben wird, welche Möglichkeiten der Staat im Vergleich mit einer bankrotten Privatperson hat - und was der wesentliche Unterschied ist: dass es keine rechtliche Grundlage für eine staatliche Insolvenz gibt.
Dass es bereits viele Staatspleiten gegeben hat und wie die Menschen damit umgegangen sind, ist ein weiteres Thema. Beispiel ist hier Argentinien, das eigentlich mit Hilfe des IWF unter der Leitung von Horst Köhler saniert werden sollte. "Der Glaube ans Geld ist verschwunden. Argentinier tauschen wieder Waren gegen Waren", heißt es nach dem gescheiterten Rettungsversuch.
Das Schlimme am Schuldenproblem Deutschlands sind für Quarks & Co. die Zinsen: Bei einem Schuldenstand von 1700 Mrd. Euro (Stand: Ende 2009) werden 64 Mrd. Euro Zinsen fällig - Jahr für Jahr. Interessant, was in der "Haupstadt der Kinder" (fezzitty) zum Schuldenberg vorgeschlagen wird - aber leider wenig hilfreich. Denn mit einem ausgabenfreien Tag oder dem Absenken der Politikerdiäten lässt sich das Problem bei Weitem nicht lösen. Mit den Wuhlis, einer eigenen Währung, gibt es allerdings einen interessanten Ansatz. Denn dem Wuhli könnte man eine Umlaufsicherung verpassen, die die Zinsproblematik entschärft.
Wie dramatisch die Situation inzwischen ist, macht Moderator Ranga Yogeshwar an der Entwicklung von Schuldenstand und Bruttoinlandsprodukt deutlich. Der Anteil wächst und zwar deutlich schneller als der Kuchen aller Dienstleistungen und Produkte, aus denen die Schulden mit Zinsen finanziert werden müssen.
Quarks & Co. beschreibt auch die Arbeit der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur. Die sorgt dafür, dass alte Schulden mit neuen Schulden bezahlt werden. Dafür werden Bundeswertpapiere herausgegeben, die von 32 ausgewählten Banken ersteigert werden können. Verglichen wird die Zinsentwicklung der Staatsanleihen in Griechenland, Portugal und Deutschland. Ranga Yogeshwar sieht darin vor allem einen Ausdruck des steigenden Risikos für die Kreditgeber - und keine Schwachstelle des höhere Zinsen benötigenden Finanzsystems.
Wem Deutschland das Geld schuldet, ist schwer zu beschreiben. Schließlich wechseln die Papiere laut der WDR-Fersehsendung im Schnitt vier Mal pro Jahr den Besitzer. Eine Momentaufnahme zeigt, dass 11% der Papiere in deutscher Hand sind, vor allem bei Investmentfonds. Dahinter stecken jedoch immer Privatmenschen, beispielsweise diejenigen mit Lebensversicherungen. So habe Deutschland zumindest einen Teil seiner Schulden bei seinen Bürgern. Wer die restlichen Papiere (89%!) besitzt und wie vor allem Besitzer riesiger Vermögen (im Gegensatz zum Kleinsparer) davon profitieren, wird nicht erwähnt.
Beeindruckend fällt jedoch die Bilanz für eine Beispielfamilie aus, die über 50.000 Euro Vermögen verfügt, 11.400 davon in Staatsanleihen, was 340 Euro Zinsen pro Jahr macht. Demgegenüber stehen Steuerausgaben von insgesamt 16.000 Euro. 1900 Euro davon gehen statistisch in die Zinszahlungen. Kein besonders gelungener Vergleich, der einer, der das kaum bekannte Problem zumindest in Ansätzen deutlich macht. Der gewaltige Zinsanteil an den Preisen, durchschnittlich etwa 30 Prozent, bleibt dabei noch völlig außen vor. Schließlich haben nicht nur Bund, Länder und Kommunen Schulden, sondern auch die Unternehmen.
Immerhin ist die ungleiche Verteilung der privaten Vermögen Thema der Sendung. Auch hier wäre jedoch eine Zinsbilanz interessant gewesen, die zeigt, wer mehr Zinsen einnimmt als er ausgibt: gerade einmal zehn Prozent der Bevölkerung!
Die Zinszahlungen seien der Grund, warum der Staat seine Schulden ständig vergrößern muss. Dazu zeigt Yogeshwar, wie es ohne Zinszahlungen in der Staatskasse aussehen würde. Ein interessanter Gedanke, der allerdings leider nicht weiter verfolgt wird. Warum Politiker diesen "absurde" Vorgang immer wieder mitmachen, versucht Quarks ebenfalls zu erklären. Dazu wird stark verkürzt erläutert, was Ökonom Keynes mit seiner "Antizyklischen Finanzpolitik" für den Einsatz von Schulden vorgeschlagen hat. Ein weiterer Grund für "gute" Schulden seien außergewöhnlich teure Ereignisse wie Naturkatastrophen, deren Kosten über mehrere Generationen beglichen werden müssten. "Investitionen, die sich auszahlen" ist für Quarks & Co. der dritte Grund für sinnvolle Schulden, zum Beispiel Brücken. Vergessen worden sei nach dem Schuldenmachen allerdings die Rückzahlung in guten Zeiten, wesentlicher Teil der Überlegungen Keynes', die allerdings noch viel weiter reichten.
Am Ende geht es darum, die Schulden zu tilgen, meint Yogeshwar. Dazu hat Quarks & Co. einige Methoden unter die Lupe genommen: Inflation, Ausgaben kürzen, neue Steuern einführen, Privilegien verkaufen. Als "elegante Methode" wird schließlich Wirtschaftswachstum vorgestellt. Die funktioniere allerdings nur, wenn der Schuldenberg nicht mitwächst. Ein Zusammenhang wird leider nicht hergestellt, ebenso wenig die verheerenden Folgen des Wachstumswahns (pdf).
"Diese Schulden sind unfair", sagt Yogeshwar zum Schluss. Die Schuldenspirale führe dazu, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinander geht. Unsere Gesellschaft werde durch diese Schulden gespalten. Einziger Ausweg sei, nicht mehr davon zu reden, Schulden abzubauen, sondern es endlich zu tun. Ein Fazit, das leider ebenso oberflächlich ist wie der Großteil der Sendung. Aber immerhin ein weiteres Zeichen dafür, dass Medien auf das Thema aufmerksam werden und an den Ursachen zunehmend Interesse zeigen.
