Widerstand gegen EZB-Chef Draghi

In SZ-online stützt sich Markus Zydra auf Ardo Hansson, den Notenbankchef Estlands und Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Dieser organisiert Widerspruch bei der Frage „Soll Europas Notenbank Staatsanleihen kaufen, um so die Wirtschaft der Eurozone anzukurbeln?“

Das Anliegen Hanssons ist erfreulich, obschon seine Begründung gegen die Anleihekäufe sehr fraglich ist. <link http: www.sueddeutsche.de wirtschaft staatsanleihenkaeufe-widerstand-gegen-ezb-chef-draghi-1.2278382>„Die Regierungen könnten dann mehr Geld leihen als zuvor, weil die Zinskosten niedriger sind“, begründet Hansson seine Kritik an Draghis Plan. Doch dieses Argument kann man auch umdrehen: Erst mit dauerhaft niedrigen Zinsen erhalten die kritischen Länder eine Chance, ihre Schulden zurückzuzahlen.

Einig sind sich der Autor und die Notenbanker in der Sorge vor einem anhaltenden Preisverfall: <link http: www.sueddeutsche.de wirtschaft staatsanleihenkaeufe-widerstand-gegen-ezb-chef-draghi-1.2278382>„Dauerhaft sinkende Preise können eine Wirtschaft schwächen, wie die Erfahrung in Japan zeigt. Dort führte die langjährige Deflation zu einer wirtschaftlichen Stagnation. Eine Notenbank kann da nur eines machen: Die Geldschleusen öffnen.“

Warum aber trägt der SZ-Autor dieselben Scheuklappen wie die Notenbanker? Der eingeschränkte Blickwinkel verhindert die Betrachtung des Naheliegenden. Die Behauptung Hanssons: <link http: www.sueddeutsche.de wirtschaft staatsanleihenkaeufe-widerstand-gegen-ezb-chef-draghi-1.2278382>„Wir haben ein Mandat und das lautet, dass wir die Inflation mittelfristig bei ungefähr zwei Prozent halten müssen", ist nicht zutreffend. Die Aufgabe der Notenbanker ist es, die Voraussetzungen für eine funktionierende und preisstabile Währung zu schaffen. Das Inflationsziel von zwei Prozent ist lediglich ein, aus Ohnmacht geborenes, Hilfskonstrukt. Sowohl die Ankäufe von Staatsanleihen als auch die Enteignung der Bürger durch Inflationierung der Währung haben gefährliche Konsequenzen. Für beides gibt es eine elegante Alternative.

Deflation entsteht durch die nachlassende Bereitschaft, Geld auszugeben. Immer größere Bestände werden gehortet, die Umlaufgeschwindigkeit des Euros nimmt seit Jahren ab. Statt immer neues Geld zu erzeugen, braucht es einen finanziellen Anreiz, die Hortung tendenziell aufzugeben. EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré war mit seinen Hinweisen auf Silvio Gesell im September schon einen großen Schritt weiter.

Minuszinsen auf die Girokontobestände sind ein marktkonformes Mittel, um die Geldzirkulation anzuregen. Durchhaltekosten von -5 % auf das Zentralbankgeld, wie Gesell und Keynes es begründet haben, würden einen beträchtlichen Teil der 4,7 Billionen Euro von den Girokonten in Investitionen, Konsum und langfristig günstige Ausleihungen lenken.

Klaus Willemsen, 23.12.2014

Verwendete Quelle:
<link http: www.sueddeutsche.de wirtschaft staatsanleihenkaeufe-widerstand-gegen-ezb-chef-draghi-1.2278382>www.sueddeutsche.de/wirtschaft/staatsanleihenkaeufe-widerstand-gegen-ezb-chef-draghi-1.2278382