In seinem <link http: magazin.spiegel.de reader external-link-new-window external link in new>SPIEGEL-Kommentar "Nichts ist sicher" beschreibt Armin Mahler die verfahrene Situation der europäischen Finanzpolitik und die düstere Aussicht für Europas Bürger. Er weist darauf hin, dass „das viele Geld, das die Zentralbank zur Finanzierung der Euro-Rettung druckt, die Preise treibt und damit eine „schleichende Enteignung“ darstellt. Und er zitiert eine gerne verdrängte mathematische Selbstverständlichkeit: Eine „Inflationsrate von vier bis fünf Prozent im Jahr … halbiert die Geldvermögen in 15 Jahren“.
Soweit ist der Kommentar von Armin Mahler ein akzeptabler Weckruf. Doch was soll der Leser damit anfangen, wenn ihm als Ausweg lediglich eine wenig erfolgversprechende Therapie angeboten wird. Natürlich kann man über die Wirksamkeit von „Zwangshypotheken“ und „Vermögensabgaben“ beraten. Doch sollte dem prominenten Autor klar sein, dass diese Maßnahmen nur eine sehr begrenzte Reichweite haben und nicht geeignet sind, die beschriebene Problematik zu lösen. Für die überschuldeten öffentlichen Haushalte schaffen Vermögensabgaben sicherlich etwas Spielraum. Zusätzlich ist es wichtig, die öffentlichen Kassen stärker über die Vermögenseinkommen zu füllen und die Arbeitseinkommen deutlich zu entlasten. Dieser Paradigmenwechsel wäre für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft eminent wichtig. Die heutige Situation, dass man durch Besitz reicher wird und trotz Arbeit immer mehr Menschen verarmen, zerrüttet das Vertrauen in das Gemeinwesen.
Dem Autor wird darüber hinaus aber klar sein, dass seine Vorschläge nichts an der Inflationsproblematik ändern können. Die Umlaufgeschwindigkeit, neben der Geldmenge der entscheidende Faktor bei der Geldpolitik, ist in den letzten Jahren dramatisch gesunken. Die Bereitschaft der Geldhalter, ihre Geldvermögen langfristig zu verleihen geht immer mehr zurück und Kreditnehmer zahlen in den meisten Fällen, trotz der Geldschwemme, noch immer Zinssätze von deutlich über 5 Prozent. Und damit nimmt die Kluft zwischen den Besitzenden auf der einen Seite und den Arbeitenden, Arbeitslosen, Rentnern und allen Hilfebedürftigen auf der anderen Seite weiter zu. Dies ist auch die Kluft zwischen den ins grenzenlose angewachsenen Guthabe einiger Weniger und den Schulden, die wir alle als Konsumenten, Staatsbürger und Privatpersonen bedienen müssen.
Weil er diese Entwicklungen nicht sieht, oder sie nicht für lösbar hält, suggeriert Armin Mahler am Ende seines Kommentars, dass der einzige Ausweg die Inflation sei. Eine Inflation, die am Ende die große Mehrheit der Menschen ärmer machen und enteignen wird. Dagegen helfen Vermögensabgaben und Zwangshypotheken allerdings ebenso wenig, wie Steuerparadise oder ein total befreiter Weltmarkt.
Warum trauen sich weder lehrende noch publizierende Ökonomen aus ihren jeweiligen Denkschulen hinaus? Natürlich kann man partielle Lösungen anbieten, wenn man die Folgen auf weiter entfernte Bereiche oder auf Klienten, die nicht der eigenen Zielgruppe angehören, ausklammern kann. Herr Mahler erweckt den Eindruck, dass es die Politiker seien, die auf die Hyperinflation hinarbeiten. Tatsächlich weisen auch seine Vorschläge und die der meisten seiner Kollegen keinen Weg für eine stabile Währung und eine gerechte Bodenordnung. Für alle Bürger, die etwas zu verlieren haben, ist es wichtig, dass wir den Weg aus der monetären Falle finden. Dieser Weg führt über die Verstetigung der Geld-Umlaufgeschwindigkeit und die Wiederherstellung einer akzeptablen Zinsstrukturkurve. Beides ist über eine Gebühr auf Liquidität erreichbar. Dafür braucht es die Phantasie der Ökonomen und die Neugier der Journalisten.
Klaus Willemsen, 28.03.2013
Verwendete Quelle:
magazin.spiegel.de/reader/index_SP.html
Der Spiegel 13/2013
