Zinszahlungen nützen nur den reichsten Menschen

Die Kritik am Zins ist in linken Kreisen verpönt. Immer neue Schulden, Inflation und steigende Zinsen seien für die Mehrheit der Menschen kein Problem, lautet die Lebenslüge linker Ökonomie. Die Frankfurter Rundschau durchbricht die „Phalanx der Zinsverharmloser“, indem sie erneut den Geldanalytiker Helmut Creutz zu Wort kommen lässt.

Die Nullzinspolitik belaste die deutschen Privathaushalte, propagieren selbst Vertreter der Genossenschaftsbanken. Verschwiegen wird jedoch meist, dass lediglich das reichste Zehntel der Haushalte, also jene, die über Millionenvermögen verfügen, zu den Zins-Gewinnern gehören. Die umfangreiche Abwägung von Vor- und Nachteilen der bisherigen Geldpolitik ist dringend überfällig. Insbesondere engagierte, linksliberale Politiker und Gewerkschaftsvertreter haben beim Thema Zinslasten meist eine völlig verzerrte Wahrnehmung.

Dies gilt auch für die Beurteilung der EZB-Geldpolitik und die Bewertung von Inflation und steigenden Zinslasten. Viele linke Ökonomen unterstützen die Inflationierung der Währung und verharmlosen so die kapitalistische Umverteilung durch Zinsen und Inflation. Gleichzeitig übersehen sie meist die Chancen, die sich aus der derzeit niedrigen Geldkapitalrendite ergeben.

»Bekanntlich hat EZB-Chef Mario Draghi im März entschieden, die in der Euro-Zone ausgegebene Bargeldmenge von rund 1,1 Billionen Euro bis zum Herbst 2016 – also innerhalb von eineinhalb Jahren – zu verdoppeln«, kritisiert Creutz. Die damit beabsichtigte Inflation enteignet tatsächlich alle Sparer und belastet gleichermaßen Rentner und Lohnbezieher. Vor allem aber wird sie fast zwangsläufig steigende Zinslasten zur Folge haben, mit zum Teil verheerenden Auswirkungen für die öffentlichen Kassen, die privaten Schuldner und viele Unternehmen.

In seinem FR-Beitrag vom 15. April 2015 weist Helmut Creutz darauf hin, dass Gelddrucken keine geeignete Maßnahme zur Belebung der Wirtschaft ist. Die Geldhortung und die Chancen von Liquiditätsgebühren sind in linken Kreisen bisher ein Tabu. Die Frankfurter Rundschau trägt mit ihren „Nadelstichen“ dazu bei, die bisherige Blockadepolitik der Ökonomen aufzuweichen. Eine dauerhaft stabile Währung mit Hilfe von Durchhaltekosten und eine Geldpolitik ohne Inflation wären Meilensteine auf dem Weg zu einer sozialen und ökologischen Gesellschaft.

Klaus Willemsen, 17.4.2015

Verwendete Quelle:
www.fr-online.de/gastwirtschaft/ezb-geld-drucken,29552916,30433156.html
www.inwo.de/ziele/stabile-waehrung-dank-durchhaltekosten/