Das ist eine Perversion

„Man kann mit Geld mehr Geld verdienen als mit Arbeit. Das ist eine Perversion“, sagt der ehemalige Bundesarbeitsminister im Interview. „Die Koryphäen der Finanzwirtschaft haben sich nie mehr blamiert als in den letzten drei Jahren. Keine von denen hat auch nur eine Entwicklung richtig vorausgesehen. Insofern gibt es jeden Grund, zurückzukehren zum Primat der Politik.“

Im <link http: www.dradio.de dlf sendungen interview_dlf external-link-new-window external link in new>Deutschlandradio-Interview spricht Norbert Blüm aus, was viele seiner Politikerkollegen nur denken. Die Politik hat vor der Macht der Finanzmärkte kapituliert. Die Arroganz der Finanzjongleure bedroht die Existenz eines friedlichen Europas. Blüm verurteilt die Ohnmacht der Politik und die widersinnige Situation der Wirtschaft. „Das ist eine Perversion, es gibt große Unternehmen in Deutschland, die verdienen mehr Geld durch Finanzgeschäfte als durch Produktion.“

Deutlich beschreibt er die Funktion des sich exponentiell vermehren Geldes als Ursache gesellschaftlicher Instabilität. „Da muss man sich nicht um den Nobelpreis für Nationalökonomie bemühen, eine solche Hochstaplerwelt wird wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Es geht um eine Ordnung, in der in der Tat das Geld wieder seine dienende Funktion hat, der Kredit Investitionen ermöglicht und nicht der Kredit einen Reichtumsautomatismus herstellt.“

Selten wird von prominenter Seite so deutlich gesagt, dass die Funktionsweise des Geldes die eigentliche Ursache der gesellschaftlichen Verwerfungen ist. Durch den Zinsmechanismus vermehrt sich Geld ins scheinbar unendliche und damit auch die Macht der Geldhalter. Erst durch die Möglichkeit, einen immer positiven Zins zu erpressen, wird aus dem Tauschmittel ein Machtinstrument. Blüm: „Nun hat das Geld sich aufgemotzt von einem Mittel zu einem Zweck, das ist die Arroganz des Geldes, und es gilt, in diesem Europa der Politik wieder die Ordnungsfunktion zuzuweisen. Denn man sieht ja: Die Politik ist ja ständig auf der Flucht vor Ängsten, die mit Drohungen der Geldwirtschaft geschürt werden.“

Sehr geehrter Herr Blüm, haben Sie herzlichen Dank für Ihre klaren Worte. Es bleibt zu hoffen, dass auch aktive Verantwortungsträger Ihnen folgen. Was Sie sagen, läuft auf einen Punkt hinaus: Erst durch eine Gebühr auf Liquidität wird das zerstörerische Wachstum von Geldvermögen und Schulden gestoppt. Nur durch diese Gebühr kann Geld dauerhaft Tauschmittel und Wertmaßstab mit Aufbewahrungsfunktion werden. Die INWO würde sich sehr freuen, wenn wir gemeinsam dieser Botschaft zu einem breiten gesellschaftlichen Diskurs verhelfen. Deutlich sagen Sie, was auf dem Spiel steht: „Das ist das Europa des Friedens und wir dürfen es uns nicht verderben lassen, diese Idee, durch die Geldmacher. Denn das ist ja die neoliberale Versprechung gewesen, dass die Politik sich der Disziplin der Finanzwirtschaft unterziehen muss. Das ist in Davos verkündet worden 1998, die Politik sozusagen als Filiale des Geldsystems.“

Erlauben Sie uns nur eine Anmerkung: Die Geldmacher sind nicht die Geldbesitzer. Unser Geld wird von der Notenbank gemacht und es ist Aufgabe der Politiker und der Bürger, hierfür die richtigen Vorgaben zu definieren.

Erich Lange, Klaus Willemsen 19.07.2012

Verwendete Quelle:
Deutschlandradio Kultur 18.07.2012
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