"Es ist somit ein ebenso unerbittliches wie logisches Gesetz: Die Konzentration des Reichtums ist ein sich selbst verstärkender Prozess. Wenn das Geld in einem Wirtschaftssystem ungleich verteilt ist, prägt sich diese ungleiche Verteilung im Laufe der Zeit immer mehr aus. Das ist es, was wir erleben. Das Geld ist praktisch niemals dort, wo man es braucht, sei es in der industriellen Produktion, sei es im privaten Konsum."
Der französische Journalist und Ökonom bezieht sich mit seinen Aussagen auf Ergebnisse von Helmut Creutz, beispielsweise zum Zinsanteil in den Preisen und zum Vorteil der Kapitaleigner bei der Verteilung des Leistungskuchens. Jorion ergänzt die Überlegungen des INWO-Autors mit einer Analyse des Systems der "Stock Options", das mit dazu geführt hat, dass Aktienkurse statt nachhaltiger Entwicklung die Unternehmensführung bestimmen.
"Die 'Stock Options' markieren den Beginn einer ganz neuen Form des Kapitalismus mit einer Verschiebung des Kräfteverhältnisses zwischen den gesellschaftlichen Gruppen. Von nun an sind Kapitaleigner und Unternehmer Verbündete. Ihnen gegenüber stehen einsam und allein die Lohnempfänger. War das Kräfteverhältnis zuvor schon nicht ausgeglichen, so ist ihre Position jetzt entscheidend geschwächt. "
Der strukturalistische Ökonom sieht auch eine Verbindung zum Immobilencrash in den USA, der vor allem durch eine Kreditschwemme ausgelöst worden ist. Für diese Kredite müssten eben Zinsen gezahlt werden. Dabei würden fünf Prozent als nicht viel erscheinen. Mit einem Immobilienkredit über 30 Jahre habe man jedoch am Ende den Preis der Immobilie zweimal bezahlt.
Jorion spricht in dem sehr lesenswerten Interview des Deutschlandsfunks auch den unerschöpflichen Erfindungsreichtum der Finanzindustrie mit den Beispielen Credit Default Swaps (CDS) und Mortgage Backed Security an, die rein kosmetische Behandlung der Bonuszahlungen für Banker, die riesigen Spekulationsgewinne für Benzin und Diesel, Bad Banks, deren Wahrscheinlichkeit der Wiederbelebung ebenso groß sei wie auf einem Friedhof und er geht auch auf Lösungsvorschläge ein, wie Keynes' "Bancor".
