Falscher Feind

„Mittlerweile haben die Staaten der Welt die schier unfassbare Schuldensumme von über 50 Billionen Dollar aufgetürmt…“ und noch immer sind weder die Medien noch die Politiker in der Lage, die Dynamik und die Ursachen dieser Entwicklung zu begreifen. In seinem Kommentar "falscher Feind" schreibt Thomas Tuma in DER SPIEGEL: „Es ist eine Politik, die chronisch auf Pump lebt. Die schon eine Senkung der Nettoneuverschuldung, also ein Weniger an mehr Miesen, als Erfolg feiert.“

Er entlarvt das „Banken-Bashing“ als Ablenkungsstrategie und benennt neben der Politikerschelte auch selbstkritisch die eigene Rolle: „Die Medien haben versagt - das muss man ja mal zugeben -, weil sie diese Krise kaum erklären konnten…“ DER SPIEGEL 43/2011.

Endlich, denkt der Leser, eine kritische Analyse in diesem Magazin, in dem über Jahrzehnte die Problematik der Schulden und der Zinsentwicklung negiert wurde. Immer wieder hat DER SPIEGEL in langen Artikel die Verarmung der Kommunen, der Länder und ganzer Staaten beschrieben, ohne Zinszahlungen auch nur zu erwähnen. Immer wieder wurde das Auseinanderdriften von Reichtum und Armut beschrieben oder der spektakuläre Ruin von Konzernen und ganzen Branchen, ohne die Dimension der Kapitalkosten aufzuzeigen. Und nun endlich schreibt einer über „die Ratlosigkeit der Eliten“ und das Versagen der Wirtschaftswissenschaftler und Medien.

50 Billionen Dollar Schulden bedeuten, dass jährlich über 2 Billionen (2.000.000.000.000) Dollar Steuereinnahmen an diejenigen gezahlt werden, die ihr Geld dem Staat ausleihen. Nur wenn die Zinssätze für diese Staatsanleihen von derzeit 2,5-12,5 % dauerhaft sinken, kann ein Ausweg aus diesem Fiasko gefunden werden. Und erst wenn Ökonomen, Politiker und Journalisten beginnen, in diese Richtung zu denken, wird sich die ausgeflippte Weltkonjunktur beruhigen.

Doch was ist das Fazit von Thomas Tuma? Im vorletzten Absatz seines Kommentars lenkt er dann doch von der Borniertheit des herrschenden Establishments ab und denunziert jene Menschen, die ein Umdenken und eine ergebnisoffene Analyse fordern. Mit einer unfassbaren Wendung schreibt er: „Wer dort nun "Weg mit Zins und Zinseszins" auf sein Transparent schreibt, hofft womöglich wie mancher Politiker, dass die Schulden schon verschwinden werden, wenn man sich nur lange genug die Augen zuhält.“

Nein, Herr Tuma! Wer solches auf sein Transparent schreibt erwartet, dass große Vermögen, auch bei Zinssätzen um null, verliehen werden. Er erwartet eine ergebnisoffene Diskussion über derartige Auswege.

Klaus Willemsen, 22.11.2011