Die Tagesschau ist das Flaggschiff des öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalismus. Es ist daher vollkommen unbegreiflich, wie zwei so unterschiedliche Begriffe wie „Ersparnisse“ und „Cashbestände“ auf der Homepage als Synonyme verwendet werden können. Dort liest man: <link www.tagesschau.de/wirtschaft/negativzinsen-101.html>„Die Verhängung eines Strafzinses bedeutet, dass Kunden für Ihre Ersparnisse von der Bank keine Zinsen mehr kassieren - sondern Zinsen zahlen müssen. Bei großen Unternehmen können diese Cashbestände durchaus in die Milliarden gehen“</link>. (tagesschau.de)
Das derzeit wohl größte Problem der Geschäftsbanken für ihre Stabilität besteht genau in dem Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen. Guthaben in Milliardenhöhe sammeln sich auf den Konten mit täglicher oder extrem kurzfristiger Verfügbarkeit. Gleichzeitig müssen die Banken Kredite mit möglichst langen Laufzeiten vergeben, damit Investoren mit den derzeit guten Konditionen langfristig kalkulieren können. Dieser Spagat ist auf Dauer nicht durchzuhalten.
„Sparen ist das Zurücklegen momentan freier Mittel zur späteren Verwendung“, heißt es bei Wikipedia. <link de.wikipedia.org/w/index.php steht für: Bargeld Teile des Umlaufvermögens (Bargeldbestände, Bankkonten sowie kurzfristig verfügbare Finanzanlagen)“</link>, heißt es dort weiter. Sicherlich kann man auch die Formulierung "zurücklegen zur späteren Verwendung" interpretieren. Letztlich geht es jedoch darum, die Verfügungsgewalt für einen bestimmten Zeitraum einem Anderen zu überlassen. Und genau dies geschieht, aus ökonomisch vollkommen plausiblen Gründen, tendenziell immer weniger. Es ist derzeit nicht rationell, überschüssige Guthaben einem Anderen langfristig zu überlassen. Unternehmen, Vermögensverwalter und Privatleute halten daher immer größere Bestände liquide. Es geht um „Geld, das er (Hornbach Finanzvorstand Roland Pelka) aber nur kurzfristig anlegen will, um es bei passender Gelegenheit schnell ins Geschäft zu investieren“, wie es die FAZ formuliert. Siehe dazu auch: <link www.inwo.de/medienspiegel/zuviel-geld-auf-der-hohen-kante/5040e6ca4019be8f27cdc6a500bc787c/>Zu viel Geld auf der Hohen Kante?</link>
Es sind ausschließlich die Cashbestände, die mengenmäßig aus dem Ruder laufen und das Kreditsystem destabilisieren. Bei Tagesschau.de heißt es im folgenden auch richtig: „Bei großen Unternehmen können diese Cashbestände durchaus in die Milliarden gehen; beim Mittelständler Hornbach sind es momentan 460 Millionen Euro“. Völlig unverständlich ist in diesem Zusammenhang daher der folgende Satz: „Die Banken wissen aufgrund der allgemein niedrigen Zinsen selbst nicht mehr, wie sie das Geld ihrer Kunden ertragbringend anlegen sollen“ (tagesschau.de). Eine seriös und nachhaltig wirtschaftende Bank kann mithilfe der Fristentransformation einen Teil der Girobestände einer großen Zahl von Privatkunden, gewissermaßen auf eigenes Risiko, in langfristige Ausleihungen umwandeln. Wenn sie dies jedoch mit Milliardenvermögen einzelner Unternehmen macht, geht sie ein nicht kalkulierbares Existenzrisiko ein. Solche Bestände können tatsächlich täglich abgerufen werden und dabei die Eigenmittel der Bank übersteigen. Täglich fällige Einlagen können eben nicht ertragbringend angelegt werden. Es ist daher folgerichtig, dass die Geschäftsbanken für diese Bestände Kosten berechnen. Die Gebühren müssen sogar so hoch sein, dass es sich für die Geldhalter zur Vermeidung dieser Kosten lohnt, ihre Bestände zu enthorten. Mit Strafzinsen oder Gebühren für langfristige Ersparnisse hat dies nichts zu tun. Derartiges würde keinen Sinn ergeben und wird auch von niemandem erwogen.
Die Behauptung der FAZ in ihrem Beitrag vom 26.09.2014: <link www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/banken-verlangen-strafzinsen-fuer-einlagen-von-unternehmen-13174154.html>„Wegen der Geldpolitik der EZB müssen Unternehmen auf ihr bei Banken geparktes Geld Gebühren zahle“</link>, ist daher irreführend. Die Notenbank müsste, im Interesse einer nachhaltigen Geldpolitik, die Geschäftsbanken dabei unterstützen, auf die liquiden Bestände Gebühren zu erheben. Das Parken von Geld muss mit Durchhaltekosten versehen werden, damit das Geld zirkuliert. Geld, das nicht selber ausgegeben, sprich investiert wird, muss anderen für eine bestimmte Frist überlassen werden. Auf diese Weise würde der Kreditmarkt ausreichend versorgt, ohne dass die Notenbank die Geldmenge ständig ausweiten muss. Es geht nicht darum, dass „die EZB kein Geld mehr will“. Die Notenbank hat ein Interesse daran, dass ihr Geld zirkuliert. Wenn die Hortung überhandnimmt und der Geldkreislauf zum Erliegen kommt, hat das Geldsystem versagt und es wird gefährlich für die Gesellschaft.
Klaus Willemsen, 06.10.2014
Verwendete Quellen:
www.tagesschau.de/wirtschaft/negativzinsen-101.html
www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/banken-verlangen-strafzinsen-fuer-einlagen-von-unternehmen-13174154.html
