Fordert IWF-Chefin Negative Sparzinsen?

Am 8. März berichten die Internetausgaben von Handelsblatt und Süddeutsche in fast identischen Beiträgen über eine Rede von Frau Lagarde in Dublin: „IWF-Chefin fordert EZB-Zinssenkung“, „Lagarde will noch billigeres Geld“ (süddeutsche.de) und „EZB soll Zinsen nochmal senken“ (handelsblatt.com).

Der entsprechende Beitrag von Ruth Berschens in der Printausgabe des Handelsblatt zitiert Frau Lagarde mit drei maßgeblichen Worten mehr: "`Weitere Zinssenkungen inklusive negativer Sparzinsen´ könnten helfen, das schwache Wachstum anzukurbeln, heißt es in einem Bericht über die Euro-Zone, den IWF-Chefin Christine Legarde am gestrigen Montag in der Eurogruppe vorlegte."

Entscheidend sind die zwei Wörter „negative Sparzinsen“. Für die Volkswirtschaft im Ganzen und die Geldspekulation im Besonderen macht es nämlich einen ganz entscheidenden Unterschied, ob die aus spekulativen Gründen auf Girokonten und kurzfristigen Spareinlagen gehorteten Vermögen zusätzliche Kosten in Form von „negativen Sparzinsen“ verursachen oder nicht. Schon geringste Veränderungen der Sparzinsen haben gewaltige Auswirkungen auf die Höhe der Kreditkosten. Denn es handelt sich bei den liquiden und kurzfristigen Geldmitteln nicht um ein paar Milliarden, sondern um eine Größenordnung von Billionen Euros.

So wichtig wie die Größenordnung ist auch die grundsätzliche Erwägung. Wenn die kurzfristigen Spareinlagen über negative Zinssätze belastet werden, ist es zwingend notwendig, die Bargeldbestände mit einer Gebühr zu versehen. Nur so kann eine Flucht ins Bargeld verhindert und eine funktionierende Zinsstruktur gewährleistet werden.

Wenn es einer sozialistischen Politikerin gelingt, in diesem Punkt über einen 100 Jahre alten Schatten zu springen, öffnet sie in der Geldpolitik eine bisher verbaute Tür und damit den Menshen in Europa einen gangbaren Ausweg aus dem sich abzeichnenden Währungskollaps. Im Original der Dubliner Rede sind die „negativen Sparzinsen“ nicht zu finden. Frau Berschens wird sich dieses Detail aber auch nicht lediglich herbei gewünscht haben, oder doch? Wir bitten um Aufklärung.

Klaus Willemsen, 23.07.2013

Verwendete Quellen:
Printausgabe Handelsblatt, Dienstag 9. Juli 2013, S.12
www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/iwf-chefin-lagarde-ezb-soll-zinsen-nochmal-senken/7901774.html
www.sueddeutsche.de/wirtschaft/iwf-chefin-fordert-ezb-zinssenkung-lagarde-will-noch-billigeres-geld-1.1619786
www.imf.org/external/np/speeches/2013/030813.htm