„<link blog.zeit.de/herdentrieb/2014/01/08/deflationsrisiko-nimmt-weiter-zu_6933 - external-link-new-window "Opens external link in new window">Für die EZB stehen die Ampeln weiterhin auf Rot und es geht ihr daher nur darum, auf welche Weise sie die inländische Kaufkraft des Euro rascher vermindern kann als in den letzten Monaten, wie sich also die Endnachfrage mit ihren Mitteln stimulieren lässt.</link>“ Bereits dieser Satz zu Beginn des Beitrags offenbart die gängige Denkblockade: Für die Notenbank, als Partner der Regierungen, ist es von Belang, den Konsum auf einem gewissen Niveau zu stabilisieren. Kaufzurückhaltung ist derzeit wirtschafts- und sozialpolitisch problematisch. Die Inflationierung der Währung als einzig geeignete Maßnahme zu sehen, ist jedoch fatal. Im Gegenteil hätte eine inflationsfreie Währung mit einem extrem niedrigen Zinsniveau auf die gesamte Gesellschaft überaus positive Auswirkungen. Dies gilt es bei der Erwägung geeigneter Maßnahmen zu berücksichtigen.
Zur Stimulierung der Konsumnachfrage ist in erster Linie die Enthortung der bereits vorhandenen liquiden Mittel von Bedeutung. Dies kann gleichermaßen durch Konsum und durch die Bereitschaft langfristiger Kreditgewährung geschehen. Durch die langfristige Ausleihung wird die aktuell nicht benötigte Kaufkraft an Dritte weitergegeben.
Das derzeitige Problem der Notenbank besteht darin, dass die liquiden Mittel stetig, völlig überproportional, zunehmen. Statt zu konsumieren, wird jedoch immer mehr Geld gehortet. Damit Anleger einen ausreichenden Anreiz haben, ihre liquiden Mittel langfristig zu verleihen, braucht es zweierlei: Die Sicherheit, dass es nicht zu Inflation kommt, die das verliehene Vermögen entwertet, und eine deutliche Differenz zwischen den kurzfristigen und den langfristigen Zinssätzen. Dies kann die Notenbank durch eine Gebühr auf die Zahlungsmittel erreichen. Nur so ist eine ausreichende Zinsspanne mit niedrigen Guthabenzinssätzen zu gewährleisten.
Herr Wermuth beurteilt das wissenschaftliche Niveau der Zentralbank wie folgt: „Seien wir realistisch. Sie ist mit ihrem Latein ziemlich am Ende.“ Sehr geehrter Herr Wermuth, tragen Sie dazu bei, dass zusätzliche Handlungsperspektiven diskutiert werden. Zu Recht weisen sie auf die bedrohlich hohe Zahl der Arbeitslosen im Euroraum hin. Der Weg über eine Inflation führt unweigerlich zu höheren Zinslasten für Unternehmen und Staaten und zur Vergrößerung der Diskrepanz zwischen Arbeitseinkommen und Kapitaleinkommen. Beide Entwicklungen sind vermeidbar.
Klaus Willemsen, 10.01.2014
Verwendete Quelle:
<link blog.zeit.de/herdentrieb/2014/01/08/deflationsrisiko-nimmt-weiter-zu_6933>http://blog.zeit.de/herdentrieb/2014/01/08/deflationsrisiko-nimmt-weiter-zu_6933</link>
