Die Ursache der „japanischen Krankheit“ besteht seiner Ansicht nach darin, dass zwar jeder Einzelne für sich das Richtige tut, aber dies kollektiv genau das Falsche sei. Um ihre Schulden abzubauen sparen alle Haushalte so gut sie können. Wenn aber „alle nur noch ihre Schulden zurückbezahlen wollen und niemand sich Geld leiht, bleiben die (Gelder) bei der Bank stecken, selbst bei Nullzinsen, wie wir sie derzeit haben“, erläutert Koo der "<link http: www.berliner-zeitung.de wirtschaft external-link-new-window externen link in neuem>Berliner Zeitung".
Sein Lösungsvorschlag ist trivial und schockierend: „Der Staat muss das Geld, das im Bankensystem feststeckt, leihen und wieder in Umlauf bringen. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Der Staat muss diesen Stimulus so lange aufrecht erhalten, bis die Unternehmen und Haushalte ihre Schulden abgebaut haben und sich selbst wieder Geld zu leihen beginnen. Der schlimmste Fehler, den eine Regierung in dieser Phase begehen kann, besteht darin, selbst zu sparen.“
Die völlig überschuldeten Staaten sollen also weiter ungebremst neue Schulden aufnehmen. Der Ökonom weiß, dass die Anleger in vielen Ländern nicht mehr bereit sind, das damit verbundene Risiko zu tragen. Daher möchte er diese zwingen, auch hoffnungslos überschuldeten Staaten weiterhin ihre Ersparnisse anzubieten. „Mein Vorschlag ist folgender: In der Eurozone sollte die Regel eingeführt werden, dass die einzelnen Mitgliedsstaaten ihre Staatsanleihen nur noch an ihr eigenes Volk verkaufen dürfen. Spanier müssen dann spanische Bonds kaufen, ihre Ersparnisse bleiben im eigenen Land und ihre Regierung kann mit der Sanierung des eigenen Haushalts warten, bis die Unternehmen ihre Bilanzen bereinigt haben und die Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt.“
Der Vorschlag ist ein erschreckender Beweis für die Hilflosigkeit, oder sollte man besser sagen Engstirnigkeit, vieler Ökonomen. Richard Koo ist Chefökonom des Nomura Research Institute in Tokio und gilt als einer der führenden, aber auch umstrittensten Experten für Rezessionen. Koo geht zu Recht davon aus, dass es ein großes Sparpotenzial gibt. Als Marktwirtschaftler müsste er den Schluss ziehen, dass das „Steckenbleiben des Geldes bei den Banken“ an den zu hohen Renditeerwartungen der Anleger liegt. Erst wenn dieses Zurückhalten Kosten verursacht, werden die Anlagen auch bei negativer Rendite zur Verfügung stehen. Und wenn die Rendite ausreichend negativ ist, wird sich für jeden ersparten Euro ein dankbarer Investor finden. Der Preis regelt Angebot und Nachfrage. Dies ist das eherne Prinzip, auf dem die Marktwirtschaft basiert. Für die Volkswirtschaft ergeben sich viele positive Effekte, wenn die Kapitalrendite negativ wird. Theoretisch betrachtet muss ein so gewaltiges Überangebot, wie es derzeit existiert, zu einem negativen Preis, sprich zu Verlusten führen. Jeder Produzent und Kaufmann ist diesem Risiko ausgesetzt. Es ist nicht zu verstehen, warum Ökonomen gerade die Geldanleger von dieser marktwirtschaftlichen Regel abschotten. Liquiditätskosten halten das Geld im Kreislauf und senken die Kapitalkosten für Unternehmen und Staaten. So werden Schulden rückzahlbar, ohne dass es zu „Verklumpungen" kommt.
Klaus Willemsen, 13. Dezember 2011
