Sehr geehrte Frau Schwerdtner,
sehr geehrte Mitglieder der Linkspartei,
als Protagonist der Bodenreformbewegung möchte ich Ihre Forderung nach der Enteignung großer Wohnungsunternehmen aufgreifen. Sie fokussieren hiermit auf ein elementares und dringend notwendiges Ziel – bezahlbarer Wohnraum für alle Berliner:innen. Enteignungen jedoch sind nicht nur langwierig und juristisch umkämpft, sie bergen auch das Risiko sehr hoher Kosten für die Allgemeinheit. Am Ende könnten diese sogar zu höheren Konzerngewinnen führen, ohne dass dabei mehr Wohnraum oder mehr Gerechtigkeit entsteht.
Ich möchte Ihnen einen alternativen Vorschlag unterbreiten, der schneller, sozialer und wirksamer ist: die jährliche, deutliche Anhebung der Grundsteuer – kombiniert mit einer direkten, pro-Kopf-Auszahlung der Einnahmen an die Wohnbevölkerung Berlins. Parallel dazu sollte der Senat das Grundsteuermodell von Baden-Württemberg übernehmen und sich dafür einsetzen, dass die Grundsteuer nicht länger auf Mieter:innen übertragen werden kann.
Vorteile einer aktiven Grundsteuer-Politik!
Sofortige Entlastung für Mieter:innen
Die Grundsteuererhöhung trifft vor allem große Wohnungsunternehmen und Immobilienbesitzer:innen. Die Einnahmen fließen direkt als Bürgergeld für alle Berliner:innen zurück – ohne Bürokratie, ohne Wartezeit. Jede:r erhält einen gleichen Anteil, der die Mietbelastung direkt mindert.
Soziale Gerechtigkeit
Wer viel besitzt, zahlt mehr. Wer wenig hat, profitiert. Die Umverteilung erfolgt automatisch und transparent. Keine Subventionen für Vermieter:innen oder Aktienbesitzer:innen, sondern direkte Unterstützung für die Menschen, die sie am meisten brauchen.
Anreiz für mehr Wohnraum
Hohe Grundsteuern machen es für Unternehmen unattraktiv, Wohnungen und Grundstücke leerstehen zu lassen oder sie als Spekulationsobjekte zu horten. In Kombination mit einer Grundsteuer, die rein am Bodenwert ausgerichtet ist, wir dann Investieren attraktiver gegenüber dem Verwahrlosen lassen von Immobilien.
Keine juristischen Grabenkämpfe
Enteignungen führen zu jahrelangen Prozessen mit hohen Entschädigungskosten. Eine Grundsteuerreform ist rechtssicher, schnell umsetzbar und liegt in der Hand des Landes. Ablenkungsdebatten und Shitstorms über Ungerechtigkeit, Marktversagen und Klassenkampf wird der Wind aus den Segeln genommen.
Stärkung der Gemeinschaft
Die direkte Auszahlung schafft Vertrauen in die Politik. Die Menschen spüren: Der Staat handelt im Sinne der Mehrheit, nicht im Sinne weniger Großverdiener.
Flexibilität und Skalierbarkeit
Die Grundsteuer kann jährlich angepasst werden – je nach Bedarf. Steigende Kosten werden dazu führen, dass Leerstand und extrem hohe Ansprüche abgebaut werden. Dies kann den Wohnungsmarkt deutlich entspannen.
Wirtschaftlicher Impuls
Das aktivierte Geld fließt, statt wie heute in Dividenden und auf Konten ohne Bedarf, direkt in den Konsum: Lokale Geschäfte, Handwerker:innen und Dienstleister:innen profitieren. Die Stadtwirtschaft wird gestärkt, ohne dass neue Schulden gemacht werden müssen.
Fazit: Mut zur einfachen Lösung
Frau Schwerdtner, Sie haben den Mut, unpopuläre Forderungen zu stellen. Nutzen Sie diesen Mut für eine Lösung, die sofort wirkt, sozial ist und die Machtverhältnisse verändert – ohne die Risiken und Nebenwirkungen von Enteignungen. Eine Anhebung der Grundsteuern mit Bürgerdividende und mittelfristig die Reform der Grundsteuer, ist der Hebel, den Berlin braucht. Und es ist eine Maßnahme, die Vorbildcharakter für viele Regionen in der Welt haben wird. Um Bewegung in die festgefahrene Situation zu bringen, müssen alle Protagonisten aus ihrer Komfortzone raus, um gangbare Kompromisse zu finden.
Bringen Sie diesen Vorschlag in Ihre Programmdebatte ein. Lassen Sie uns darüber diskutieren, wie wir ihn konkret ausgestalten können. Die Berliner:innen verdienen eine Politik, die nicht nur über Gerechtigkeit redet, sondern sie auch umsetzt – schnell, direkt und für alle spürbar.
Mit solidarischen Grüßen,
Klaus Willemsen
14.08.2026
Lesen Sie hierzu auch: Grundsteuer: Zeitgemäß!
