Sehr geehrter Herr Brichta,

in Ihrer aktuellen Kolumne beschreiben Sie, weshalb „Schuldenpolitiker niedrige Inflation blöd“ finden und warum auch EZB-Chef Mario Draghi wenig begeistert von der derzeitigen Preisstabilität ist. Dies wiederum finden Sie blöd und das freut uns.

Früher hätten sich Notenbankchefs über eine Inflationsrate nahe Null gefreut, würden sie damit doch das ihnen in vielen Ländern vorgegebener Ziel der Geldpolitik erfüllen. <link http: www.teleboerse.de kolumnen inflation-find-ich-bloed-article13551196.html>„EZB-Chef Mario Draghi freut sich dagegen überhaupt nicht über die erreichte Preisstabilität“, kritisieren Sie. Mit einer höheren Inflationsrate lässt sich die Staatsschuldenquote kleinrechnen, lautet Ihre Erklärung für diesen scheinbaren Widerspruch. Dies mag durchaus zutreffen, es ist aber nur ein Teil der Wahrheit.

Herr Draghi hat durch die niedrige Inflation und die extrem niedrigen Zinssätze eigene, handfeste Probleme mit der von ihm verantworteten Währung. Zum einen ist die Spanne zwischen kurzfristigen und langfristigen Geldanlagen mittlerweile gefährlich gering. Es gibt keinen echten ökonomischen Anreiz, sein Vermögen langfristig anzulegen. Zum anderen fallen die Investitions- und Konsumsanreize immer spärlicher aus, während die Liquidität unaufhörlich anschwillt.

Beiden Entwicklungen kann man mit steigender Inflation und damit verbundenen steigenden Zinssätzen entgegenwirken. Dieses Szenario darf man nicht unterschlagen, auch oder gerade weil es uns Bürger, als Arbeitnehmer, als Sparer, als (zukünftige) Rentner und selbst als Unternehmer real bedroht.

Die EZB hat noch einmal, gewissermaßen ein allerletztes mal, ihre Leitzinsen gesenkt. Die erhoffte Wirkung wird allerdings ausbleiben, da die Leitzinsen keine nennenswerte Wirkung auf die liquiden Geldmittel erreichen. Der konsequente Ausweg aus dem Dilemma verlangt Gebühren für die gehorteten Geldbestände. Nur so lässt sich die nötige Zinsdiskrepanz ohne Inflation erzeugen. Als Notenbanker hat Herr Draghi zu Recht Hemmungen, diesen notwendigen Paradigmenwechsel zu fordern. Sie als undogmatischer Kolumnist tun sich sicherlich leichter, die öffentliche Diskussion in diese, unbedingt notwendige Richtung zu begleiten.

Hochachtungsvoll,
Ihr Klaus Willemsen

5.9.2014

Verwendete Quelle:
www.teleboerse.de/kolumnen/Inflation-find-ich-bloed-article13551196.html