Sehr geehrter Herr Ueckerseifer,

müssen Privatanleger bald fürs Sparen zahlen, werden Sie von Anne Schneider im WDR5 Wirtschaftsmagazin Profit vom 3.11.2014 gefragt. In Ihrer gewohnt sachlichen und verständlichen Weise berichten Sie den Hörern, dass eine kleine Direktbank in Thüringen, die Skatbank, von ihren Anlegern nun Zinsen für ihre Einlagen verlangt. Über den Hintergrund dieser Maßnahme stelle Sie leider nur Vermutungen an.

Zu Recht heben Sie hervor, dass diese Gebühr lediglich sehr hohe Guthaben betrifft. Und im Unterschied zu vielen Ihrer Kollegen machen Sie deutlich, dass die "negativen Zinsen" ausschließlich täglich fällige Einlagen von Giro- und Tagesgeldkonten betreffen. Die plakative Frage, Müssen Privatanleger bald fürs Sparen zahlen?“, beantworten Sie präzise: <link http: www.wdr5.de sendungen profit sendeterminseiten sendeterminseite1542.html>„Es trifft nicht die Normalos, die haben normalerweise kein Tagesgeld im 6-stelligen Bereich.“

Leider verheddern Sie sich bei Ihrer Analyse und der Beurteilung dieser Entwicklung. Die Gebühren auf die exorbitant angeschwollenen Sichteinlagen sind eine notwendige und stabilisierende Maßnahme. Die mittlerweile 4,7 Billionen € täglich fälliger Einlagen können von den Geschäftsbanken im Euroraum nicht ausreichend in langfristige Ausleihungen umgewandelt werden. Die in Spekulationskassen gehorteten Beträge belasten die Bilanz jeder einzelnen Bank, sie fehlen den Volkswirtschaften als Kaufkraft und sie erhöhen die Gefahr einer Inflation.

Insbesondere den Volksbanken und Sparkassen, deren Geschäftsmodell auf der soliden Kreditvermittlung basiert, ermöglicht diese Geldgebühr, die lediglich Kosten verursachenden Giralgelder in längerfristige Anlagen umzuleiten. Die negativen Zinssätze stellen, auch wenn in dieser Größenordnung noch unzureichend, die Differenz zwischen liquidem Geld und langfristigen Anlagen her. Die Notwendigkeit von Durchhaltekosten auf liquide Geldmittel ergibt sich aus der ansonsten zu flachen Zinsstrukturkurve. Leider haben nur wenige namhafte Ökonomen (Marvin Goodfriend, Willem Buiter, Gregory Mankiw und am <link http: www.bis.org review r140911a.htm>9.9.2014 EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré) dies bisher thematisiert.

Vielleicht ist diese Maßnahme „eine gute PR für die Skatbank“, wie Sie vermuten. Sie ist aber vor allem ein bedeutender Schritt für die Stabilisierung des europäischen Finanzsystems. Die Geldgebühr wirkt der Geldhortung und damit der Deflation entgegen. Gleichzeitig verringert sie die Nachfrage nach Zentralbankgeld und wirkt somit der Gefahr einer Inflation entgegen. Es ist zu hoffen, dass Sie mit ihrer Vermutung: „Es werden nur einzelne Banken bleiben. … Die Sparkassen und die großen Banken werden das nicht machen. Der Imageverlust wäre zu groß“, falsch liegen. Der Imageverlust bleibt nur dann zu fürchten, wenn Sie und Ihre Kollegen die Notwendigkeit dieser Maßnahme nicht erfassen und in der Berichterstattung falsche Schlüsse ziehen.

Klaus Willemsen, 4.11.2014

Verwendete Quelle:
<link http: www.bis.org review r140911a.htm>www.wdr5.de/sendungen/profit/sendeterminseiten/sendeterminseite1542.html
www.bis.org/review/r140911a.htm