Wie vermögend sind die Europäer?

Etliche Medien greifen diese Woche eine EZB-Studie auf, die suggeriert, dass die Bürger der meisten südlichen Länder ein weit höheres Privatvermögen besitzen, als deutsche Bürger. So wird der Eindruck vermittelt, dass der durchschnittliche Haushalt in Luxemburg über fast 400.000€, in Zypern über 267.000€ und in Deutschland lediglich über 51.000€ verfügt. Welche Absicht die EZB mit dieser "Verwirr-Studie" verfolgt, bleibt unklar.

<link http: www.spiegel.de wirtschaft soziales ezb-vermoegen-in-griechenland-groesser-als-in-deutschland-a-893412.html external-link-new-window external link in new>Spiegel-online formulierte die Überschrift seines Beitrags wie folgt: „EZB-Studie: Vermögen in Griechenland größer als in Deutschland“ In der Rheinischen Post heißt es noch schlichter: „Reiche Südeuropäer, arme Deutsche". In beiden Beiträgen wird darauf hingewiesen, dass die Studie methodische Mängel aufweist. Spiegel online dazu: „Sind die Bürger in Krisenländern wie Griechenland reicher als die Deutschen? Diesen Eindruck erweckt eine Studie der Europäischen Zentralbank. Der Vermögensvergleich in den Euro-Ländern hat aber gleich mehrere methodische Mängel.“

Aus den Beiträgen geht jedoch nicht hervor, dass es neben statistischen Interpretationsschwierigkeiten ganz grundsätzliche Unklarheiten gibt. So bleibt für den Leser offen, ob bei den Geldvermögen in Luxemburg, Zypern usw. die Anlagen der Ausländer herausgerechnet wurden. Unklar ist auch, inwieweit für Spanien die Preise der Immobilienblase 2008 korrigiert wurden. Und ebenso nebulös bleibt, wie der ungleichen Verteilung dieser Vermögen zu begegnen sei.

Dass die Geldvermögen auf europäischen Bankkonten aufgrund der Zinsdynamik seit Jahrzehnten schneller wachsen, als die Wirtschaftsleistung und das Familienvermögen der weitaus meisten Bürger, sollte jedem Interessierten mittlerweile klar sein. Entscheidend ist, dass dieser Trend nur dann gestoppt werden kann, wenn es gelingt, dauerhaft ein Zinsniveau um Null Prozent zu etablieren.

In welchen Ländern die Bankkonten verwaltet werden, macht für die Steuerbehörden einen Unterschied. Für den grundsätzlichen Trend, des Wachstums der Vermögen zulasten der Arbeitseinkommen, spielt dies keine entscheidende Rolle.

Klaus Willemsen, 17.04.2013

Verwendete Quellen:
<link http: www.spiegel.de wirtschaft soziales ezb-vermoegen-in-griechenland-groesser-als-in-deutschland-a-893412.html>www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ezb-vermoegen-in-griechenland-groesser-als-in-deutschland-a-893412.html

Rheinische Post vom 16. April 2013