Wir sind in der Endphase

meint Dirk Müller, Börsenmakler und Bestseller-Autor im Interview. „Das Finanzsystem steht am Abgrund. Nur ein Neustart kann helfen.“ Dem Leser des Handelsblatts erklärt er ungeniert, dass der Fehler im System liegt. Selten wurde die Analyse von Helmut Creutz an prominenter Stelle so detailliert wiedergegeben. Hier wird deutlich, dass Dirk Müller mit dem Ansatz der Fairconomy vertraut ist.

Die Überschuldung des öffentlichen Sektors führt dazu, „dass ein großer Teil dessen, was die Bürger erwirtschaften, für Zinsdienste abfließt. Diese Zinsen werden in der Regel nicht wieder in die Wirtschaft investiert, sondern stapeln sich bei denjenigen, die bereits sehr viel besitzen.“ Dies kann auf Dauer nicht gut gehen, erklärt Müller und folgert daraus: „Unser Finanzsystem ist so beschaffen, dass es alle paar Jahrzehnte  neu gestartet werden muss. … Allem Geld, das im Umlauf ist, steht auf der anderen Seite Kredit gegenüber. Wenn die Staaten extrem hohe Schulden haben, dann muss auf der anderen Seite jemand sein, der genau diese Summe an Vermögen hat. Wenn die Bundesrepublik jährlich 40 Milliarden an Zinsen für ihre Schulden zahlt, dann muss irgendjemand 40 Milliarden an Zinsen kassieren.“

Müller ist der Öffentlichkeit als Börsenhändler bekannt und frei von dem Verdacht, Sozialromantiker zu sein. Daher fällt es ihm leicht, die permanente Umverteilung durch die Zins-Transfers als ökonomische Sackgasse zu beschreiben. Anders als vielen Freiwirtschaftlern nimmt man ihm ab, dass er ein mathematisches Phänomen beschreibt und keine Neiddebatte führen will. INWO Mitgliedern kam es bisher immer ein wenig so vor, als würden sie geheimes Wissen weitergeben, wenn sie Zusammenhänge wie den folgenden erklärten: „Das Problem ist nur: Über die Jahrzehnte sammelt sich das Geld bei immer weniger Menschen an, während die Masse immer weniger davon hat. Für den Bürger spielt es am Ende gar keine Rolle, wo in diesem System die Schulden liegen – er zahlt am Ende immer; er zahlt seine eigenen Schulden sowieso, die des Staates über die Steuern, und die der Unternehmen über die Produkte, die er kauft, weil da die Zinsen in die Preise eingerechnet sind.“

Bei Dirk Müller wird diese, von Helmut Creutz seit nunmehr 20 Jahren postulierte, Erkenntnis zu einer Selbstverständlichkeit. Die zahlreichen öffentlichen Auftritte, insbesondere in den TV Talkshows, beweisen, dass die Zinsproblematik, die die INWO mit ihren zahlreichen Aktivitäten in das öffentliche Bewusstsein getragen hat, endlich dort angekommen ist. Wer sich heute Gedanken über die Entwicklung der Gesellschaft und die Gefahren, denen die Gesellschaften ausgesetzt sind, macht, kann eines nicht mehr ausblenden: Die Überentwicklung von Schulden und Geldvermögen durch den Zinseffekt ist ein wesentliches Element von Destabilisierung und Zerstörung. „Die privaten Haushalte in Deutschland haben fünf Billionen Euro an Vermögen. Aber das Geld ist sehr ungleich verteilt. Die Hälfte der Bevölkerung hat davon nur vier Prozent. Und die obersten zehn Prozent besitzen fast zwei Drittel dieses Vermögens. Das geht so lange gut, bis die Masse die Zinslast nicht mehr tragen kann, bis sie den Gürtel nicht mehr enger schnallen und der Staat keine Leistungen mehr streichen kann.“ Mit diesem Interview ist die Dynamik des Zinssystems endgültig in der Fachpresse angekommen. Es bleibt zu hoffen, dass die Zinslasten, sowie die Möglichkeiten sie zu minimieren, zukünftig bei Fachtagungen und wissenschaftlichen Arbeitskreisen mit im Fokus stehen.

„Wenn die Krise etwas Gutes hat, dann das: Die Menschen fangen endlich an, sich um ihr Geld zu kümmern.“ Die INWO wird weiterhin das ihr Mögliche tun, Perspektiven für eine stabile Währung als Grundlage einer nachhaltig, ökologisch und sozialen Gesellschaft aufzuzeigen.

Klaus Willemsen, 19.10.2011

Sie finden das vollständige Interview vom 18.10.2011 kostenlos unter <link http: www.handelsblatt.com finanzen boerse-maerkte boerse-inside wir-sind-in-der-endphase external-link-new-window externen link in neuem>Handelsblatt.com.